Romy Dollé

Ich bin 1970 in einem kleinen Bergdorf im Kanton Glarus geboren. Meine Kindheit habe ich vor allem in der Natur verbracht. Ich liebte es, meine Freizeit auf dem Bergbauernhof meiner Grosseltern zu verbringen und mit den Tieren zu spielen, sie zu füttern. Wir hatten immer frische Eier, Milch, Fleisch, Geflügel sowie Gemüse und Früchte aus dem Garten. Wenn ich zurückschaue, lebten wir mehrheitlich nach der Pure Food/Paleo-Philosophie.

Meine Mutter arbeitete im Dorfladen, wo ich schon früh all die abgepackten und verarbeiteten Produkte kennenlernte. Zwar kochte sie zuhause täglich frisch und saisonal, da ich jedoch auch viel Zeit im Dorfladen verbrachte, genoss ich regelmässig ein Joghurt oder sonst etwas Süsses. Ernährung wurde bei uns daheim erst wirklich ein Thema, als mein Bruder als Teenager seinen Babyspeck nicht verlor. Die Massnahmen meiner Mutter – sie wollte ihn für gesunde Ernährung und Bewegung motivieren – halfen wenig, mein Bruder wurde erst schlank und sportlich, als er selbst den Entschluss fasste, abzunehmen und etwas für seinen Körper zu tun.

Ich selbst war immer sehr aktiv. Es gab bei uns im Dorf kein Freizeitangebot wie McDonalds, Kino, Shopping-Meile oder ähnliches, so dass wir uns meist draussen aufhielten. Im Sommer liebte ich es, barfuss herumzurennen, auf dem Gartenzaun zu balancieren, Baumhäuser zu bauen, schwimmen zu gehen und mich auf dem Sportplatz mit meinen Freundinnen und Freunden zu treffen. Im Winter ging ich jeden freien Nachmittag und jedes Wochenende skifahren oder rodeln.

Daheim versank ich gerne in ausgedachten Geschichten und erträumte mir meine Zukunft. In meinen Gedanken bereiste ich die Welt. Da meine Eltern nie mit uns ans Meer in die Ferien reisten, wirkte dies wie ein Magnet für mich. Ich schaute mir im Fernsehen die ganze Welt an – und die reizte mich unglaublich. Ich wusste schon sehr früh, dass ich viel Geld verdienen wollte, um damit alle meine Träume zu verwirklichen. Geld bedeutete für mich Freiheit, Unabhängigkeit und Mobilität. So war schon in der Primarschule klar, dass ich eine Banklehre machen wollte; das stellte ich keinen einzigen Tag in Frage.

In der Zwischenzeit sind viele Träume Realität geworden. Ich bin in China, Indien, Thailand, Nordafrika, Südamerika und Nordamerika gewesen, habe beruflich in Wien gelebt und in Barcelona studiert. Ich habe verschiedene Kulturen kennengelernt und gesehen, dass es überall Schönes und weniger Erfreuliches hat. Jede Reise hat mir bestätigt, wie schön die Schweiz ist und wie privilegiert wir hier leben.

Viele Jahre habe ich mich ziemlich weit von einem Pure-Food-/Paleo-Lebensstil entfernt. Ich lebte in grossen Städten, arbeitete viel und war fast jedes Wochenende unterwegs, um Neues zu entdecken. Natur und Erholung kamen definitiv zu kurz. Irgendwann machte sich diese Lebensweise körperlich bemerkbar. Ich war ein ewiger Morgenmuffel, unausgeschlafen und launisch, egal, wie lange ich geschlafen hatte. Ich fühlte mich schlapp und hatte dauernd Verdauungsprobleme. Da ich dies nicht einfach akzeptieren wollte, begann ich, unzählige Gesundheits-Ratgeber zu lesen und vieles auszuprobieren. Ich war mein eigenes Experiment.

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